Biografie

Der Kunstgraveur EDMUND ANTON RIGOT

Präsentation von Jugendstilvasen des Wadgasser Kunstgraveurs Edmund Anton Rigot anlässlich einer Feier am 20. Feb. 1990 im Städtischen Museum Saarlouis, zum Erwerb der 3. Rigot-Vase

von Hans Rigot

 

Edmund Anton Rigot stammte aus einer alten lothringischen Glasmacherfamilie, aus Soldantental (Grand Soldat, Frankreich) an der „Roten Saar“, südl. v. Sarrebourg.

Da in Wadgassen die Familie Raspiller 1842 in den Ruinen der ehem. Prämonstratenser-Abtei eine neue Glasfabrik eröffnet hatte, entschloss sich die Ur-Großmutter Edmunds, Maria Barbara Himmel (1843), mit ihren 4 Kindern nach Wadgassen zu ziehen.
Sie war Witwe, da Ihr Ehemann, Paul Josef Rigot, bereits in Grand Soldat 1833 verstorben war.
Die Familie Rigot bezog in Wadgassen eine Wohnung in den ehem. Wirtschaftsgebäuden der Abtei, im sog. „Hof“.

Die Wohnverhältnisse in Wadgassen waren damals äußerst schlecht, es gab es nur sehr wenige Häuser im Ort und die Wohnungen waren klein und eng.

1767 war in Münzthal oder Saint Louis-les-Bitche eine neue Glashütte gegründet worden. Diese Hütte bot ihren Arbeitern bedeutende Vorteile: die Fabrik stand in der Ortsmitte und die Glasmacher wohnten in Werkswohnungen um die Hütte herum; man kaufte gut und preiswert in der fabrikeigenen Konsumgenossenschaft. Die Glasmacher lebten um und mit „ihrer“ Hütte in einer großen Gemeinschaft.
Aus diesem Grund zog schließlich einer der  4 Geschwister Rigot, Anton, * 5.11.1822, (Großvater von E. Rigot) um etwa 1875 mit 2 seiner Söhne (er hatte 6 Kinder) aus Wadgassen weg zu der größeren Glashütte nach Münzthal.

Einer seiner Söhne, Mathias, heiratete am 1880 Marie Luise Friedel (*26.3.1860 in St.Louis).
Aus dieser Ehe gingen 3 Kinder hervor:

  1. Julia Rigot * 19.3.1882 – 14.4.1962
  2. Edmund Anton Rigot *15.1.1885 St.Louis, F – † 21.12.1946 in Colmar, F
  3. Marie Louise (gen. Marià) 7.10.1886 in St.Louis – 9.1.1974 in Forbach (war verheiratet mit Louis Lutz). Leider hatten alle 3 Kinder keine Nachkommen, daher war man bei Nachforschungen immer auf die Aussagen Fremder angewiesen.

Edmund Anton wuchs in Münzthal auf und wurde Glasmacher, nach alter Tradition in seiner Familie, wie bereits sein Großvater u. Vater.
Etwa 6 – 8 km von Münzthal entfernt liegt die kleinere, 1702 gegründete Glashütte von Meisenthal bei Soucht (F). Hier arbeitete Emile Gallé (* 4. Mai 1846 in Nancy; † 23. September 1904 ebenda).

In Meisenthal wurde für Gallé die Rohware hergestellt, die Gallé veredelte. Er tauchte die Gläser in Wachs, ritzte verschieden farbige Glasschichten ab. Stellte die sog. Überfangvasen des Jugendstils her.
Später arbeiteten die Glasmacher fast selbstständig und signierten sogar die Vasen. Gallé lieferte nur noch die Entwürfe.

E.A. Rigot erlernte diese Kunst und arbeitete ebenfalls unter dem Namen Gallé in Münzthal.
Als Gallé 1904 starb, war E.A. Rigot 19 Jahre alt u. kunsthandwerklich vollständig ausgebildet. Im 1. Weltkrieg wurde er deutscher Soldat (er stammte aus dem damaligen Reichsland, denn nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 war Meisenthal zusammen mit der Provinz „Elsass-Lothringen“ dem Deutschen Reich angegliedert worden – bis 1918).

1921 kam er mit 36 Jahren nach Wadgassen zur Glasfabrik, jetzt inzwischen Villeroy & Boch.
Man hatte in Wadgassen zwar Glasmacher, die Rohlinge herstellten, diese dann aber nach Straßburg liefern mussten, da in Wadgassen niemand die künstlerische Arbeit vollenden konnte. Die Verbindung zwischen Wadgassen u. Münzthal war immer sehr eng, fast ständig fand ein Austausch an Arbeitern zwischen den beiden Glasfabriken statt.

Da man in der Lage war, in Wadgassen die Rohware herzustellen, sollte auch vor Ort ein Glaskünstler die Überfangvasen vollenden.

Man entschied sich für Edmund A. Rigot aus folgenden Gründen: er war fertig ausgebildet in seinem Handwerk, hatte Erfahrung mit dem Erstellen der Überfang-Vasen und außerdem wohnten bereits mehrere seiner Verwandten hier in Wadgassen, sodass Unterkunft und Versorgung  gesichert waren.
In Münzthal musste E. Rigot unter dem Namen Gallé arbeiten.
In Wadgassen konnte er schließlich selbstständig tätig sein und seine Werke mit seinem eigenem Namen signieren.

Wirtschaftlich gesehen kam er zu einer sehr schwierigen Zeit nach Wadgassen: 1923 wurden Franken als Währung im Saarland eingeführt. Zweimal wurde für jeweils 4 Monate in der Glasfabrik nicht gearbeitet.
1933 kam die Wirtschaftskrise mit 6 Mio. Arbeitslosen.

1923 heiratete E.A. Rigot Marie-Jeannette Heintz (*14.5.1894 aus Winterthur, CH) in Bous. Seine Frau war Sekretärin bei der Saarregierung in Saarbrücken.

Während dieser Notzeiten hatte er gelegentlich die Möglichkeit, im Restaurant sein Mittagessen mit Vasen, die er fertigte, zu bezahlen.

Für den Verkauf der Vasen wurde ein Preis von bis zu 200 Franken (ca. 15 €) erzielt, was zu dieser Zeit eine große Summe war – meist wurden sie für weniger verkauft.
Bis zur Saar-Abstimmung 1935 wohnte E. Rigot in Bous.

Danach wurde die Familie ausgewiesen aufgrund folgender Begebenheit:
in dem Lokal, wo er sich mit seiner Ehefrau aufgehalten hatte, wurde nach einer Rundfunkübertragung das „Deutschlandlied“ gesungen. Dabei sollten alle Anwesenden aufstehen u. den Deutschen Gruß machen. Marie-Jeannette stand nicht auf, was einen Affront darstellte. Sie wurde beschimpft, rechtfertigte sich jedoch mit dem Argument, sie sei keine Deutsche, sondern Französin und all dies „ginge sie nichts an“. Daraufhin verlangte und betrieb man ihre Ausweisung.
Das Ehepaar Rigot zog nach Colmar, wo zusammen mit der Schwester der Ehefrau ein Einfamilienhaus gekauft wurde, wo alle 3 wohnten. Seine Ehefrau u. seine Schwägerin arbeiteten in Colmar bei einer Krankenkasse, sodass es keine wirtschaftliche Not in der Familie gab.

E.A. Rigot arbeitete fortan nur noch als freischaffender Künstler in Colmar. Er malte in Öl, auf u. hinter Glas, lebte nur für seine Kunst.
Im Eingangsbereich seines Hauses fertigte er ein Landschaftsbild.

Leider konnte aus der Zeit seiner Schaffensperiode in Colmar bisher kein Kunstwerk ausfindig gemacht werden.

1946 starb er plötzlich an Herzversagen im Alter von 61 Jahren.

 

Bild oben: Vase v. E. Rigot im Städtischen Museum, Saarlouis
Bild unten: Wohnhaus von E. Rigot in Colmar ab 1935. Das Foto entstand 1983.