Überfang-Technik

 „Außen-Überfang“ bei klarem Grundglas

Anhand der abgebildeten Kugelvase mit wildem Wein-Dekor lassen sich folgende Kriterien für die Technik des Überfangs beschreiben:

  1. Genauigkeit der botanischen Darstellung
  2. Form und Motive sind harmonisch aufeinander abgestimmt
  3. Die Vase weist die Signatur E. Rigot auf
  4. Hier sind auf farblosem Glas drei Überfangschichten aufgetragen: helles Rosa, darüber ein helles Blau, abschließend dunkles Rot.
  5. Sorgfältige Ausarbeitung des Dekors.

Die unterste Schicht der abgebildeten Vase besteht aus klarem Glas, dieser Glaskörper wurde durch Eintauchen in farbiges flüssiges Glas mit blassem Rosa, hellem Blau und tief dunklem Rot überzogen.

Im vorliegenden Beispiel erscheint am Ende dieses Arbeitsprozesses die komplette Vase einheitlich dunkel rot.
Auf die rote Schicht wird das erste Motiv vorgezeichnet und mit säurefestem Lack abgedeckt.
Anschließend folgt ein Tauchbad in Säure (bestehend aus einer Mischung aus Fluss- und Schwefel-Säure) für etwa 1 – 2 Stunden. Alle unlackierten Flächen werden durch die Säure angegriffen und tiefgeätzt.
Stehen bleiben die lackierten Bereiche. Ist die vorgesehene Schattierung des Motivs erreicht, wird der Tauchvorgang beendet.
Eine erneute Lackschicht wird nun auf die Bereiche auftragen, die hier später blau erscheinen, also stehen bleiben sollen.

Nach einem abschließenden Ätzbad ist schließlich der rosafarbige Untergrund sichtbar sowie der Dekor in den beiden Farben rot und blau.
In einem heißen Wasserbad wird schließlich der Lack abgewaschen.

Im Detail der Darstellung ist gut zu erkennen, wie beide Überfangschichten dazu genutzt wurden, dem Dekor Tiefe und Charakter zu verleihen.

 

Kugel-Vase Rigot

Darstellung einer Kugel-Vase mit dreifachem Überfang auf farblosem Glas – Grund: zart rosa, darüber Dekor in hellem Blau und tiefem Dunkelrot.

Quelle: in Auszügen aus: Albrecht Bangert: Glas – Jugendstil und Art Deco