Arbeitsweise

Zeitzeugen, die in der Glashütte tätig waren, berichteten von der Vorgehensweise Edmund Rigots beim Erstellen einer Vase.

Die Form der Vasen war vom Unternehmen Villeroy & Boch vorgegeben. Nach einer Vorzeichnung der Form wurde in der werkseigenen Schreinerei ein Holzmodell gedrechselt.

Die Herstellung der Vasen in der Hütte erfolgte nach diesen Holzmodellen meist in klarem Glas. Diese Grundform wurde jeweils nacheinander in ein bis drei farbliche Glasmassen getaucht, überzogen.

Die folgenden Arbeitsschritte führte Rigot alleine und ohne einen Handlanger aus:
Alle Motive für die Vasen erstellte Rigot selbst.
Zum Übertragen der Motive auf die Vasen-Oberfläche verwendete er weder Vorlagen noch Schablonen, sondern trug das Motiv frei mit einem Stift auf die jeweilige Überfang-Schicht auf, oder er ritzte die Konturen und malte anschließend die umrissenen Flächen mit einem Pinsel mit Lack aus. Den Lack hatte man aus Zwiesel bezogen.
Anschließend tauchte er die ganze Vase in ein Säure-Bad (Schwefel- und Flusssäure) mit einer Temperatur von ca. 30 – 50°C. Auch das nachfolgende neutralisierende Wasserbad war so temperiert.
Da die Säure die nicht lackierten Stellen auf der Glasoberfläche angriff, wurde die farbige Überfang-Schicht nach jedem Tauchen heller.
War nun die Farbschattierung erreicht, die Rigot für das entsprechende Dekor-Motiv vorgesehen hatte, wurde erneut eine schützende Lackschicht dort aufgetragen, wo die zuletzt entstandene Farbschicht erhalten bleiben sollte, die Vase erneut in die Säure getaucht, bis auch die nächste angestrebte Farbschicht erreicht war.
Diese Vorgänge wurden so oft wiederholt, bis das vorgesehene Motiv fertig dargestellt war.

Es waren in der Hütte nach den Holzmodellen stets mehrere Vasen erstellt worden. Und nicht selten arbeitete  Rigot an bis zu 20 Vasen gleichzeitig.
Um eine Vase komplett zu fertigen benötigte er ca. 8 Tage.

Rigot hat als Einziger in der Cristallerie in dieser Weise gearbeitet. Vor und nach ihm wurde diese Art der Vasenherstellung in Wadgassen nicht mehr praktiziert.

Quelle: Persönliche Befragung durch die Verfasserin des Artikels, 1983.